von Lidia (11b)

Nachdem ich für meinen Staatstheater-Artikel in der letzten Ausgabe viele positive Kommentare bekommen habe, habe ich beschlossen, die Reihe definitiv weiter zu führen (falls ihr meinen letzten Artikel noch nicht gelesen habt, holt das gerne nach!). Deshalb habe ich beschlossen, dem ganzen auch einen Namen zu geben: Diese Reihe heißt jetzt offiziell „Tolles im Theater“! Dieses Mal möchte ich euch etwas über das diesjährige Weihnachtsmärchen erzählen. Jedes Jahr um die Weihnachtszeit läuft im Staatstheater ein kindgerechtes Stück. Das muss auch nicht immer ein Märchen sein und manchmal hat es auch gar keinen weihnachtlichen Inhalt (auch wenn es der hauptsächlich unter Mitarbeiter*innen des Theaters geläufige Name vermuten lässt). In den letzten Jahren waren das zum Beispiel Hänsel und Gretel, Momo, oder Aladin und die Wunderlampe. Das diesjährige Weihnachtsmärchen, das am 20. November Premiere feierte, heißt „Scrooge oder Weihnachten vergisst man nicht“. Vielleicht kennt der eine oder die andere von euch den Roman „Eine Weihnachtsgeschichte“ (original: „A Christmas Carol“) von Charles Dickens, nach dem die Theaterproduktion erzählt wird: Ebenezer Scrooge ist ein alter, verbitterter Mann, der alleine in einem riesigen Haus wohnt und sich den ganzen Tag nur mit Zahlen und Finanzen beschäftigt. Seinen einzigen Angestellten, Crachit, kommandiert er nur herum und bezahlt ihn schlecht. Auch zu allen anderen Menschen ist Scrooge unfreundlich, hat kein Mitgefühl für die Armen und geht geizig mit seinem Geld um. Und das Wichtigste: Er hasst Weihnachten. Das alles ist für ihn nur „Humbug“. Jahr für Jahr schimpft er über das Fest, verjagt jedes Mal den Sängerchor, der seit zwölf Jahren jedes Jahr an Heiligabend an seiner Tür klingelt, er hasst Schokolade und behauptet, er bräuchte keine Geschenke, weil er sich ja alles selbst kaufen könne. Hier kommen die drei Geister ins Spiel: Die Geister der Vergangenheit (genannt „Licht“), der Gegenwart (der „Riese“) und der Zukunft (der „Stille“) wollen zusammen mit Scrooges verstorbenem Geschäftspartner Marley dafür sorgen, dass Scrooge ein besserer Mensch wird. So zeigen sie ihm jeweils mit Hilfe eines Zaubers, wie er in der Vergangenheit war, was in der Gegenwart um ihn herum geschieht, was er nicht sieht, und was in der Zukunft mit ihm passieren wird. Auf seiner Reise sieht Scrooge zum Beispiel, dass er schon in seiner Kindheit die Zeit mit seiner Familie mehr hätte genießen müssen, sieht, in welchen ärmlichen Verhältnissen Crachit und dessen Familie, einschließlich des todkranker Sohn Timmy, wegen ihm leben, und dass niemand um ihn trauern wird wenn er stirbt, weil er allen Menschen immer nur Unrecht tat.Ihr merkt vielleicht, das Stück ist natürlich vor allem an die Jüngeren unter uns gerichtet, aber ich finde, alle sollten es sich anschauen – wer nicht dorthin geht, verpasst etwas! Das Stück dauert nur eine gute Stunde und hat deshalb auch keine Pause, es ist also nicht so lang. Die wenige Zeit wird aber durch die Inszenierung von Christian Brey sehr gut genutzt, es ist insgesamt sehr interessant und detailreich gestaltet und ich habe mich bei meinem Besuch der Generalprobe nicht gelangweilt. Offiziell ist es eine Produktion des Schauspiels, aber auch das Orchester und ein Teil des Chores sind dabei, sodass das ganze durch die musikalische Untermalung noch abwechslungsreicher wird. Am besten gefallen haben mir jedoch die Kostüme (Anette Hachmann): Die waren, wie das Bühnenbild, sehr klassisch gehalten. Man sieht richtig, wie viel Arbeit dahinter steckt, hinter all den Röcken, Anzügen, aber auch den fantasievoll gestalteten Kostümen der Geister. Auch das Bühnenbild (ebenfalls von Anette Hachmann) ist sehr schön und kann dynamisch gedreht und vor- und zurückbewegt werden, sodass sich der Hintergrund und die Stimmung schnell und einfach ändern lassen. Außerdem sorgte die Technik-Abteilung für einen weiteren, ganz besonderen Effekt: An mehreren Stellen im Stück schneite es auf der Bühne! Diese Magie solltet ihr euch auf jeden Fall nicht entgehen lassen. Außerdem darf ich die Schauspielerinnen und Schauspieler nicht unerwähnt lassen. Alle waren dauerhaft gefordert, übernahmen teilweise bis zu sechs (!) Rollen und mussten außer sprechen auch singen und tanzen. Ich finde, alle haben das sehr gut gemeistert. Es gibt allerdings einzelne, die ich besonders erwähnen möchte. Das ist zum einen Michael Kamp, der die Hauptrolle spielte: Er hat die Entwicklung des Charakters Scrooge sehr gut dargestellt, und hat es geschafft, einen geizigen, verbitterten und hasserfüllten Charakter zu Anfang, und einen freundlichen, großzügigen, sogar charismatischen Menschen zum Ende des Stückes darzustellen. Außerdem spielt in dem Stück auch ein Kind mit, das den jüngeren Scrooge und den kranken Timmy, Crachits Sohn, verkörpert. Ich weiß leider nicht, welches der fünf Kinder, die sich die Rolle teilen, bei der Generalprobe aufgetreten ist, sonst würde ich dich mit Namen erwähnen und dir ein großes Lob aussprechen. Livia, Florentine, Saya, Maximilian und Timea, ihr macht das sicherlich alle großartig! Ihr müsst nicht nur zwei Rollen während einer Vorstellung spielen, sondern auch ganz alleine ein Solo singen und vor hunderten Leuten euren Text sprechen. Das würde nicht jeder machen! Also, um das ganze hier abzuschließen: Schaut es euch an! Es ist auch eine gute Möglichkeit, mal wieder etwas mit der Familie, bzw. mit jüngeren Geschwistern zu unternehmen. Allen, die gute Arbeit zu schätzen wissen – und das tut ihr – wird es sicher gut gefallen. Weitere Vorstellungen gibt es übrigens am 21., 26. und 28. Dezember, sowie am 07. Januar. Und falls ihr hingehen wollt, aber nicht genau wisst, wie ihr an Karten kommt, sprecht mich gerne an, ich helfe gerne!

Michael Kamp (Scrooge) und Thorsten Loeb (Marley)

(Scrooge wird vom Geist seines verstorbenen Freundes und Geschäftspartners heimgesucht.)

Naffie Janha („Licht“), Jörg Zirnstein („Riese“) und Hannah Elischer & Mia Lehrnickel als Puppenspielerinnen des „Stillen“, der durch eine lebensgroße Puppe dargestellt wird

(Die Geister schmieden einen Plan, um Scrooge die Augen zu öffnen.)

Ensemble

(Alle feiern zusammen ein großes Weihnachtsfest.)

Quelle der Bilder: www.staatstheater-darmstadt.de