Jan Ackermann 11c
Ob man es glauben will oder nicht, Schach ist wie jeder andere Profi-Sport! Die Giganten des Schach spielen zu sehen hat einen besonderen Reiz. Man kann selbst nur annähernd verstehen, wie tiefgreifend eben diese Partien sind. Kompetitiver geht es nicht. Ein faires Duell: Keine Verletzungen, keine Fouls, kein Doping. Nur mit dem eigenen Geist bewaffnet ziehen beide Spieler in die Schlacht, um sich jedes Mal selbst zu übertreffen. Aber Schach ist nicht einfach nur ein Spiel. Manchmal bedeutet Schach sogar einen politischen Wandel; Die alten russischen Staatstrukturen gegen die neuen Ideen des Westens. Aber dazu kommen wir später noch. Jetzt wünsche ich erstmal viel Spaß beim Lesen des ersten Teils dieser vierteiligen Serie!
Es ist wohl der bekannteste Name der Schach Welt: Bobby Fischer. Aber nicht nur einer der Bekanntesten, sondern auch der Kontroversesten. Denn Fischer war gelinde gesagt besonders. Zum Beispiel spielte er Partien mit sich selbst. Aber das ist nur das am wenigsten komische an seiner Person. Mit einer schweren Kindheit aufgewachsen, war Schach sein einziger Rückzugsort. Schon mit zarten sechs Jahren begann er das Schachspielen und erzielte bereits mit 13 einen atemberaubenden Sieg gegen einer der besten Schachspieler der Vereinigten Staaten. Ein Jahr später gewann er die US Meisterschaft, die er noch bei allen seinen 8 Teilnahmen dominieren sollte. Er brach die Schule ab, um sich nur noch seinem Hobby zu widmen. Aber ein Hobby war es schon lange nicht mehr. Viel mehr eine Obsession, eine Sucht, die ihn nicht aufhören ließ, weiterzuspielen. Seine phänomenalen Ergebnisse richteten natürlich auch das Interesse der Öffentlichkeit auf ihn. Er stand sehr früh, eigentlich zu früh, vor Reportern und Kameras, die ihn auf Schritt und Tritt verfolgten. Und das merkte man ihm auch an. Ein Junge, der eigentlich nur für seine Faszination brennt, wird von der ganzen Welt belagert. Bis zu diesem Zeitpunkt war er ein höflicher und netter Junge, aber dies sollte sich bald ändern.
Sprung ins Jahr 1972: Fischer ist 29 Jahre alt; Der kalte Krieg versetzt die Menschen in Angst und Schrecken. Bisher wurden die Weltmeistertitel nur unter sowjetischen Schachspielern ausgemacht. Es ist deren Volksport und daher waren sie allen anderen einen großen Schritt voraus. Auch und besonders im kalten Krieg wollten sie damit ihre kognitive Überlegenheit demonstrieren. Sie wollten zeigen, dass sie es mit dem ganzen Westen aufnehmen können. Der Westen musste dagegenhalten und so wurde Bobby Fischer zum Herausforderer für den nächsten Weltmeister Titel gegen den damals 35 jährigen Boris Spasski ausgewählt. Er war das genaue Gegenteil zu Fischer. Er war organisiert, freundlich, und zeigte Respekt seinen Mitmenschen gegenüber. Fischer dagegen war ein Chaot, extrem respektlos und an Arroganz kaum zu übertreffen. Er akzeptierte keine Kompromisse und versuchte immer, seinen eigenen Willen durch zu drücken. Denn freiwillig wollte er nicht gegen Spasski antreten. Das Preisgeld von $120.000 war ihm zu niedrig und der Austragungsort Island war ihm zu klein. Er ließ sich so viel Zeit mit seiner Entscheidung, dass die Weltmeisterschaft um 2 Tage verschoben werden musste. Erst nachdem ein britischer Multimillionär heldenhaft einsprang und das Preisgeld verdoppelte, erklärte sich Fischer bereit, anzutreten. So stieg er am amerikanischsten Tag in das Flugzeug nach Island: am 4. Juli. Ein sehr symbolischer Moment. Einem Reporter antwortete er auf die Frage, ob das alles psychologische Kriegsführung sei, mit einem sehr legendären Zitat: „Ich glaube nicht an Psychologie, ich glaube an gute Züge“. Ich persönlich glaube, dass er das auch so gemeint hat. Eher war er unsicher, ob er sich auf die Menschenmassen und die Möglichkeit zu verlieren einlassen solle, als das irgendein tieferer Sinn in seinen Aktionen steckte. Aber dass er sich letztendlich entschieden hatte mitzuspielen, sollte das Beste sein, was der Schachwelt hätte passieren können. Denn dieses Match ging in die Geschichte ein. Das lag aber nicht nur am Schach. Auch der Fakt, dass sich die beiden Großmächte des kalten Krieges gegenüberstanden, machte es legendär. Es war das Ereignis dieses Jahrhunderts.
Und dann der Schock: Fischer erschien nicht zum Beginn der ersten von 24 Partien. Alle waren aufgebracht, denn sollte er nicht innerhalb von einer Stunde erscheinen, würde er die Partie automatisch verlieren. Erleichterung, Fischer erscheint nach einigen Minuten und gab an, im Verkehr stecken geblieben zu sein. Die Partie beginnt. Nach einem sehr komplexen Spiel, das aber erstmal nicht der Rede wert war, stand die Position komplett ausgeglichen. Beide Kontrahenten waren symmetrisch aufgebaut und ohne Ungleichgewichte, die man ausnutzen hätte können, hätte diese Partie in einem Remis (also in einem Unentschieden) enden sollen. Doch das tat sie nicht. Der später als bester Schach Spieler aller Zeiten geltende US Champion machte einen Laienfehler. Ein Fehler, der von jedem Amateur gesehen worden wäre; nichts, was einem Champion angemessen wäre. Er schlug einen Bauern, der nicht gedeckt war. Doch das ließ zu, den Läufer zu fangen und einfach einzukassieren. Und das auch noch in der ersten Partie zu erleben, war wohl erstmalig ein gruseliges Szenario für den Westen, weil sich die Sowjetunion doch als die stärkere Großmacht durchsetzen könnte.
Während der Partie allerdings beschwerte Fische sich, dass ihn die Kameras und das Publikum ablenken würden. Die Bitte, die Kameras zu entfernen, lehnte der Turnierleiter ab. Die hauptsächlichen Einnahmen kamen nämlich über die Übertragung des Spiels. Und irgendwo musste das Preisgeld herkommen. Nächster Spieltag: Fischer verhält sich wie ein Kleinkind und erschien nicht zu dieser Partie. Der Schiedsrichter krönt Spasski zum rechtmäßigen Sieger dieser Partie. 2:0 Rückstand, das ist kaum aufzuholen. So starke Spieler spielen so akkurat, dass das Remis das allerhäufigste Ergebnis ist. Doch Spasski, als ehrenhafter Spieler, erklärte sich bereit, den dreisten Forderungen seines Gegners nachzukommen. Sie spielten ihr 3. Spiel in dem Tischtennis Raum hinter der Bühne. Das ist wohl der ironischste Ort, an dem man die zu der Zeit größte Partie der Geschichte austragen hätte können.
Und dieses Spiel im kleinsten Raum des Gebäudes war der Wendepunkt dieses Matches. Fischer erdrückte Spasski förmlich. Er überraschte erst mit einer von ihm noch nie gespielten Eröffnung, die auf volle Konfrontation geht. Dann bewies er sein absolutes Verständnis für diese Stellung, indem er einen Zug spielte, der außerordentlich ungewöhnlich war; ein Zug, der so antipositionell aussah, es aber in keinster Weise war. Seine Kompensation war so groß und gut durchdacht, dass er Spasskis Stellung komplett ruinierte und ihn gleich mit. Spasskí wird später sagen, dass ihn diese Partie so erschrocken und gebrochen habe, dass er eigentlich ab hier bereits verloren hatte. Und das wird man noch deutlich sehen.
Vor der sechsten Partie stand es schon wieder ausgeglichen: Beide Spieler hatten zweieinhalb Punkte. Und wieder überraschte Fischer. Statt seiner üblichen Eröffnung (e4), die er wirklich jedes einzelne Mal mit weiß spielte, spielte er das auch für seinen Kontrahenten völlig überraschende c4! Aber nicht nur das; Er manövrierte so gut, sodass Spasskys Figuren einfach keine guten Felder mehr hatten. Natürlich darf ein krönender Abschluss nicht fehlen und den hat er perfekt geliefert. Mit einem atemberaubenden Qualitätsopfer hatte er eine nahezu perfekte Partie gewonnen. Er hat so akkurat und phänomenal gespielt, dass selbst Spasski aufgestanden ist und ihm applaudiert hat!
Um es kurz zu machen: Er gewann das Match mit 12,5 zu 8,5, was wohl einer der eindeutigsten Siege aller Zeiten sein sollte. Und somit wurde er der 8. Weltmeister. Doch er wollte seinen Titel nicht verteidigen, aber dazu kommen wir später noch. Nach diesem Sieg wusste er tragischerweise nichts mehr mit seinem Leben anzufangen. Er war am Boden zerstört, weil es nichts mehr zu erreichen gab. Er verstrickte sich in Verschwörungstheorien wurde antisemitisch, was dafür, dass er selbst jüdisch war, sehr seltsam ist. Später verstieß er sogar gegen UN-Recht, als er ein Rematch gegen Spasski in Jugoslawien spielte. Dort herrschte Krieg und es gab ein Embargo, das er aber mit seiner Teilnahme brach. Als er wieder in die USA zurück kehrte, wurde er verhaftet. Island bot aber in letzter Sekunde Hilfe an und nahm ihn als isländischen Bürger auf. Dort verbrachte er den Rest seines Lebens mit seiner neuen Obsession: Die Verschwörungstheorien. Am 17.1.2008 verstarb die Schachlegende und hinterließ nur seine wunderschönen Partien.
Bevor er verrückt wurde, forderte ihn ein neuer Sowjet heraus: Anatoly Karpov. Aber die Angst zu verlieren war zu groß und deshalb stellte Fischer so viele unerfüllbare Forderungen wie er nur konnte, um nicht antreten zu müssen. Als diese nicht erfüllt wurden, gab er kampflos seinen Titel ab. So endet die tragische Geschichte eines, nein des, Schach Genies und eine neue Beginnt. Wer also die Geschichte von Karpov gegen Kasparow miterleben möchte, seid gespannt auf die nächste Eule!
Vielen Dank fürs Lesen! Solltet ihr jetzt auch Lust bekommen haben, Schach zu spielen, könnt ihr gerne bei der Schach AG vorbeikommen. Jeder ist willkommen!


