Am 27. April war es endlich so weit: die lang ersehnte Athenfahrt stand für den Altgriechischkurs der E-Phase vor der Tür. Wir trafen uns zur Mittagszeit am Frankfurter Flughafen und trotz kleineren Schwierigkeiten an der Sicherheitskontrolle, da einer von uns ein Messer in der Tasche vergessen hatte, konnten wir weitgehend ohne Probleme zum Flieger gelangen. Am Hotel in Athen angekommen war die erste Priorität logischerweise zunächst einmal das Abendessen – und so zogen alle los. Ein Teil ging in ein italienisches Restaurant, in dem das Essen ziemlich lecker und auch, wie meistens in Griechenland, deutlich günstiger als in Deutschland war. Der andere Teil versuchte sich währenddessen an der Kochkunst, was sich als gar nicht so einfach herausstellte, da griechische Küchen offenbar etwas andere Ausstattungsstandards zu haben scheinen als Deutsche… Dennoch wurden am Ende alle satt und wir kehrten zurück auf unsere Zimmer. Diese hatten übrigens lustigerweise alle die gleiche Größe, sodass es bei einem Sechserzimmer in der Größe eines Zweierzimmers in Kombination mit einigen persönlichen Gegenständen auf dem Boden durchaus sehr kuschelig wurde. Trotzdem starteten wir morgens sehr motiviert in den ersten vollen Tag in Athen, bei dem direkt eine Menge auf dem Programm stand.
Daher brachen wir direkt nach dem Frühstück zu einem Highlight auf: der Akropolis. Nach kurzen Problemen mit den Tickets, da das Reisebüro statt 17 Tickets nur eines geschickt hatte, durften wir uns frei bewegen und konnten die beeindruckenden Tempel, wie den Parthenon, das Erechtheion und den Niketempel bewundern. Auf dem Weg nach unten trafen wir uns noch am Dionysos Theater und versuchten sogar, einige altgriechische Inschriften zu entziffern und zu übersetzen. Anschließend besuchten wir auch das Akropolis Museum, in dem die Friesteile des Parthenon teils im Original, teils in Gipsabgüssen, ausgestellt sind. Außerdem kann man dort die sogenannten Koren des Erechtheions, Säulen in Form von Frauenstatuen, betrachten. Nach einem kleinen Mittagssnack besuchten wir noch die Agora, also den Versammlungsplatz der Stadt in der Antike. Von den meisten ihrer vielen Bauwerke sind heute nur noch die Grundmauern erhalten – der Hephaistostempel, der als einer der besterhaltensten Tempel Griechenlands gilt, sowie die rekonstruierte Attalus Stoa geben jedoch einen Eindruck von der Architektur der Agora. Es war dabei sehr eindrücklich, sich vorzustellen, dass zum Beispiel Sokrates womöglich genau an diesem Ort früher seine philosophischen Gespräche geführt hatte. Im Anschluss ließen wir den Abend in der anliegenden Altstadt (Plaka) ausklingen und schlenderten durch das bunte Treiben der Flohmärkte mit ihrem unter anderem zahlreichen Angebot an Schachspielen.
Der nächste Tag war zunächst von einer kleinen Planänderung betroffen – denn das Kloster Daphni, das wir eigentlich besuchen wollten, hatte leider geschlossen. Deshalb fuhren wir zum Kerameikos, einem relativ unscheinbar wirkenden Trümmerfeld inmitten der Stadt, das jedoch einen interessanten Hintergrund hat. Die Trümmer bilden nämlich die Überreste des Siedlungsortes der Töpfer im antiken Athen und konnten daher für Archäologen und Historiker viele aufschlussreiche Erkenntnisse liefern. Als wir uns danach auf dem Weg auf den Philopappos, der einer der wichtigsten Hügel Athens ist, machten, kamen wir auch an der häufig als Gefängnis von Sokrates angesehener Felsenhöhle vorbei. Den Nachmittag verbrachten wir im Nationalmuseum, in dem wir von einer Führerin die Entwicklung der antiken Statuenkunst erklärt bekamen, die sich von verschlossener Körperhaltung immer mehr zu natürlicher Bewegungsabbildung entwickelte. Auf dem Lykabettos-Hügel brachten wir den Tag schließlich mit einem wunderschönen Sonnenuntergang mit Blick auf das Häusermeer Athens zu Ende.
Am Mittwoch mussten wir uns schon sehr früh auf den Weg machen, denn es war ein Besuch der Insel Ägina geplant, die in der Bucht vor Athen liegt. Also fuhren wir mit der Metro zum großen Hafen Piräus, der schon in der Antike eine elementare Rolle für Handel und auch Verteidigung der Stadt gespielt hatte. Eine etwa einstündige Fährfahrt später ging es direkt hinauf zum Aphaiatempel, der auf dem höchsten Berg der Insel liegt und einst der Fruchtbarkeitsgöttin Aphaia geweiht war, die nur auf der Insel verehrt wurde. Später, als die Athener Ägina unter Kontrolle brachten, wurde er allerdings ebenfalls der Athene geweiht. Die Aussicht (und auch der Wind) dort oben waren wirklich sehr beeindruckend und man konnte sich vorstellen, warum ein solcher Platz, an dem man die Naturgewalten so deutlich spüren kann, für den Tempelbau gewählt worden war. Nach einem Abstecher in ein verschlafenes Küstenörtchen, an dessen Strand wir uns ein wenig entspannten, ging es zurück in der Hauptstadt der Insel und wir genossen alle zusammen ein sehr leckeres Abendessen in einer typisch griechischen Taverne, das Herr Kremendahl organisiert hatte. Lustig war dabei, dass die Köchin ursprünglich aus Darmstadt kam und früher aufs LGG gegangen war. Nach dem Essen tätigen wir schließlich noch einige noch ein paar Souvenirkäufe, wie z.B. Pistazien, für die Ägina sehr bekannt ist.
Auf unseren letzten Tag fiel ein für die Griechen sehr wichtiger Feiertag, der 1. Mai. Es wurde daher vorher schon gewarnt, dass es zu Ausfällen der Metros und Busse kommen könnte und außerdem alle Museen und Sehenswürdigkeiten geschlossen sein würden. Schon aus dem kleinen Viertel Antifiotika, das für sein typisch griechisches Flair und seine engen Gassen bekannt ist, konnte man an diesem Tag die lauten Geräusche der Demonstration hören, die auf dem zentralen Syntagma Platz startete. Um Punkt zwölf Uhr schauten wir uns dort, begleitet vom Gesang und Fahnenschwenken der Demonstranten, den Wachwechsel der Garde vor dem Parlamentsgebäude an. Danach ging es weiter in Richtung des alten Olympiastadions, das 1896 für die ersten olympischen Spiele der Neuzeit genutzt wurde. Aller Warnungen bezüglich der unzuverlässigen Bahnen und Busse an diesem Tag zum Trotz machte sich ein strandlustiger Teil der Gruppe mit einer der letzten Metros noch einmal auf den Weg zum Meer und verbrachte einen entspannten Nachmittag, der einen schönen Abschluss für die Fahrt bildete. Zwar ergab sich beim Versuch, zurück ins Hotel zu kommen, das Problem, dass ab 21 Uhr auch keine Busse mehr fuhren, jedoch fanden wir nach einem kleinen Taxiabenteuer doch den Weg zurück ins Hotel – und das überraschenderweise nur mit einer halben Stunde Verspätung.
Insgesamt war die Fahrt ein sehr gelungenes Erlebnis mit vielen schönen Momenten, die uns noch lange in Erinnerung bleiben werden. Vielen Dank an dieser Stelle auch nochmal an Herr Kremendahl, der so viel Aufwand betrieben hat, um dieses einmalige Erlebnis zu planen und zu ermöglichen. Ein weiterer Dank natürlich auch an die Atticus-Stiftung und alle anderen, die unsere Fahrt mit unterstützt haben!


