von Robert (E1a)
Der Nationalsozialismus hat das Leben des deutschen Volkes, insbesondere das der Juden, stark geprägt – sowohl im alltäglichen Umfeld als auch in der Schule. In der Broschüre „Jüdische Schüler am LGG nach 1933“ wird vor allem über die Lebensläufe jüdischer Zeitzeugen berichtet, deren Leben herausgerissen wurde, die teilweise ermordet oder zur Emigration gezwungen wurden. Im Folgenden gehe ich auf einige genauer ein:
Aber was ist eigentlich der Nationalsozialismus?
Der Nationalsozialismus ist eine stark rassistische und politische Bewegung bzw. Ideologie während der Herrschaft Hitlers von 1933 bis 1945, die die eigene Nation als „überlegen“ ansah. Juden wurden im Vergleich zu den „reinen“ Deutschen als „unterlegen“ betrachtet, weshalb sie verfolgt, zur Zwangsarbeit verpflichtet und sogar ermordet wurden.
In Darmstadt lassen sich Bürger mit jüdischen Wurzeln bis ins Jahr 1529 zurückverfolgen. Schon damals waren sie „Geduldete“ ohne Bürgerrecht und somit den anderen Bürgern untergeordnet. Die Niederlassung erfolgte durch sogenannte „Schutzbriefe“; im Gegenzug mussten jüdische Bürger „Schutzgeld“ zahlen. Die ersten Schüler am LGG, damals noch „Pädagog“, waren Feidel Joseph und Abraham Linz in den Jahren 1784 bzw. 1786.
Infolge der Märzrevolution 1848 erhielten auch jüdische Bürger eine vollständige Gleichstellung mit dem Rest der Bevölkerung. Bis zum Jahr 1910 stieg die Zahl der jüdischen Einwohner sprunghaft auf ungefähr 2000 Personen an. Nachdem 1935 die Nürnberger Gesetze veröffentlicht wurden, die Juden die Staatsbürgerschaft entzogen und Ehen mit „Nichtjuden“ verboten, begann die direkte Judenverfolgung. In den darauffolgenden Jahren wurden Juden vom allgemeinen Schulbesuch ausgeschlossen und in Konzentrationslager deportiert.
Ein ehemaliger jüdischer LGG-Schüler war beispielsweise Ralph (Rudolf) Benjamin. Er besuchte das LGG bis Ostern 1937. Rudolf äußerte, dass er sich während seiner Schulzeit kaum über das Verhalten seiner Mitschüler beklagen konnte. Allerdings hatte er gelegentlich auf den Straßen Auseinandersetzungen mit Mitgliedern der Hitlerjugend, einer nationalsozialistischen Jugendorganisation. Im November 1937 wurde Rudolf gemeinsam mit seinem älteren Bruder Richard auf eine Privatschule in die Schweiz geschickt. Einige Monate später mussten beide jedoch in ein Flüchtlingslager umziehen, da ihrem Vater das Überweisen des Schulgeldes verboten wurde. Nachdem Rudolf sein Abitur erfolgreich bestanden hatte, begann er an der Universität London Elektrotechnik zu studieren. Er blieb bis lange nach 1945, dem Ende des Zweiten Weltkriegs, in England und änderte sogar seinen Vornamen zu Ralph. Sein Vater hingegen wurde während der Kriegszeit in ein Konzentrationslager deportiert und später ermordet.
Auch Franz Günter Trier war ein ehemaliger jüdischer Schüler des LGGs. Seine Familie war bereits seit 1750 in Darmstadt ansässig. Franz besuchte das LGG ab Ostern 1928 und berichtete, dass er bis 1933 eine angenehme Schulzeit dort verbracht habe. Nachdem die Nationalsozialisten im Januar 1933 an die Macht kamen, wurde Franz vom evangelischen Religionsunterricht sowie von gemeinsamen Klassenaktivitäten ausgeschlossen. Anfang 1934 verließ er das LGG, da er sich weigerte, den „Nazi-Gruß (Hitler-Gruß)“ zu machen. Daraufhin verlor er jeden Kontakt zu seinen Mitschülern und Lehrern. Ende November 1938 emigrierte Franz nach England, wo er in einer Möbelfabrik arbeitete. Wie Ralph änderte auch er seinen Namen – zu Frank Geoffrey Turner.
Die Zeitzeugenberichte zeigen deutlich, dass die individuellen Ereignisse und Lebensgeschichten sehr unterschiedlich waren. Eines jedoch haben sie alle gemeinsam: Ihr Leben hat sich vollständig verändert und wurde buchstäblich auf den Kopf gestellt. Es ist wichtig, aus der Vergangenheit zu lernen, damit sich Ähnliches niemals wiederholt…
Vielen Dank an Herrn Rohde für die Broschüre!


