Das Schreibzimmer, Nils Mohl und was das mit dem LGG zu tun hat

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von Amalia (6c)

Das Schreibzimmer

Bevor ihr diesen Artikel lest, wäre es vielleicht ganz gut zu wissen, warum ich überhaupt über Nils Mohl schreibe und wo ich das Interview mit ihm geführt habe. Also: Ich habe mich beim Schreibzimmer im Literaturhaus Frankfurt mit einer Geschichte beworben. Nils Mohl, der Werkstattleiter, hat dann zwölf Texte ausgewählt, und meiner war darunter.

Was ist das Schreibzimmer?

Das Schreibzimmer ist eine Schreibwerkstatt, bei der sich Jugendliche in zwei Gruppen (12-15 Jahre und 16-19 Jahre) an drei Wochenenden im September und Oktober jeweils den ganzen Tag im Literaturhaus treffen, um gemeinsam an Texten zu arbeiten. Im Februar gibt es dann eine Lesung mit allen Teilnehmer:innen und eine Anthologie wird gedruckt.

Was genau machen wir im Schreibzimmer?

Wir machen kleinere Schreibübungen, aber auch etwas Theorie, also zum Beispiel

  • Wie baue ich eine gute Geschichte auf?
  • Wie entwickle ich gute Charaktere?
  • Wie finde ich einen guten ersten Satz?

und so weiter.

Aber wir machen vor allem eins: Schreiben, schreiben, schreiben. Und sollte ich es noch nicht gesagt haben: SCHREIBEN!!! Aber wir haben auch eine Mittagspause und natürlich fehlt es auch nicht an Austausch mit anderen jungen Schreibbegeisterten. So viel zum Schreibzimmer.

Nils Mohl

Der Werkstattleiter Nils Mohl ist ein in Hamburg lebender Jugendromanautor und Drehbuchautor UND Dichter. 

Zu seinen bekanntesten Büchern zählen:

  • Es war einmal Indianerland (da gibt es auch einen Film zu)
  • Henny & Ponger (sein neuester Roman)
  • Tänze der Untertanen (Gedichte)
  • König der Kinder (Gedichte)
  • An die, die wir nicht werden wollen (eine verrückte Textcollage)

Nils Mohl wurde für seine Bücher schon mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis, dem Oldenburger Kinder- und Jugendpreis und dem Josef Guggenmos-Preis. Was du nicht mal auf Wikipedia findest: Er hat eine Dauerkarte für die Hamburg Towers (die Basketballmannschaft von Hamburg) und besitzt einen Campingwagen auf Amrum.

Interview mit Nils Mohl

Im Rahmen des Schreibzimmers konnte ich am 25. September 2022 ein Interview mit Nils Mohl führen.

Welche Bücher hast du als Kind gelesen?

Mein Vater hat mir ganz viel vorgelesen und besonders gern erinnere ich mich an Astrid Lindgren. Und eins meiner Lieblingsbücher ist Karlsson vom Dach, aber wir haben auch ganz viele andere Bücher gelesen.

Hast du als Kind auch schon geschrieben?

Also in der Schule hin und wieder einen Aufsatz, aber richtig angefangen zu schreiben habe ich erst als Jugendlicher. Kleines Theaterstück für die Konfirmandengruppe oder auch einen Songtext für den Abi-Song und für die Schülerzeitung war ich aktiv.

Wie lange hast du für dein erstes Buch gebraucht? Kannst du es heute schneller?

Das erste Buch hat ziemlich lange gedauert. Ich habe vier Jahre dran geschrieben. Es hat dann aber auch noch einmal vier Jahre gedauert, bis es dann tatsächlich erschienen ist. Heute geht es zum Glück schneller.

Was hast du gemacht, als dein erstes Buch fertig war?

Das war sehr erleichternd, weil ich mich vorher natürlich gefragt habe, ob ich überhaupt ein richtiger Schriftsteller bin, solange kein einziges Buch von mir erschienen ist. Mein erstes Buch ist bei einem sehr kleinen Verlag erschienen und hat, glaube ich, nur 300 Käufer gefunden. Aber es war trotzdem ein Riesenschritt, zu wissen, dass ich einen Roman geschrieben und es geschafft habe, ihn zu veröffentlichen. Und ich wusste dann auch, dass ich immer weiterschreiben will.

Liest du deine eigenen Bücher? Wenn ja, wie geht es dir dabei oder bist du dann auch manchmal überrascht?

Ich lese sie beim Schreiben natürlich immer und immer wieder und in allen möglichen Fassungen. Danach dann eigentlich nur noch bei Lesungen, was ganz eigenartig ist, weil man dann so das Gefühl hat, das Buch besteht bloß aus den paar Seiten, die man dann vorliest.

Wie hast du deinen ersten Verlag gefunden?

Ein Freund von mir hat dort Bücher veröffentlicht und hat dem Verleger meinen Text geschickt. Ein großes Glück. Das Buch ist vorher sehr oft abgelehnt worden.

Wie findest du den Film, der zu deinem Buch Es war einmal Indianerland erschienen ist?

Mir gefällt der Film großartig, aber ich habe ja auch daran mitgearbeitet. Ich finde es aber immer spannend, wenn Leute Lust haben, sich mit den Dingen, die ich geschrieben habe, nochmal neu zu befassen. Es ist ein bisschen so, als könnte man jemandem beim Lesen in den Kopf schauen.

Kannst du mitreden, wer deine Cover gestaltet oder wie dein Cover aussieht? Oder sucht das der Verlag ganz allein aus?

Ich bin ein Autor, der gerne mitspricht und ich habe mir anfangs sogar die Gestalter selbst ausgesucht. Mir persönlich ist das sehr wichtig, wie meine Bücher aussehen, schließlich steht ja auch mein Name vorne drauf. Außerdem bin ich ja dann auch derjenige, der mit dem Buch durch die Lande zieht.

Kooperierst du gerne mit anderen Autoren?

Ja, das bringt großen Spaß. Und ich habe das große Glück gehabt, dass es immer wieder Projekte gab, bei denen ich mit anderen zusammenarbeiten konnte. Bei Theaterstücken, aber auch bei Drehbüchern. Dadurch lerne ich immer wieder dazu. Beim literarischen Schreiben bin ich aber gerne auch allein.

Was fasziniert dich so am Schreiben?

In der Realität kann man ja immer nur ein Leben leben und mit jeder Entscheidung legt man sich für immer fest. Das ist beim Schreiben anders. Ich habe jetzt mehrere Romane über das Erwachsenwerden geschrieben und bin also mehr als einmal jung gewesen, zumindest in der Fiktion. Das finde ich toll.

Wann und wo schreibst du am liebsten?

Der Ort ist gar nicht so wichtig, weil ich beim Schreiben ja doch immer in meinem Kopf bin. Wichtig ist natürlich, dass ich mich an diesem Ort wohlfühle. Ich habe eine umgebaute Garage am Stadtrand von Hamburg, in der ich schreibe. Ich könnte mir aber auch gut vorstellen, irgendwo zu schreiben, wo Wasser in der Nähe ist, weil ich das schön finde. Aber, wie gesagt, während des Schreibens hätte ich gar nicht viel davon. Denn wenn man schreibt, ist man woanders und zwar in seinen Geschichten.

Kurzgeschichten versus Romane, was findest du persönlich cooler?

Also, wenn beim Roman etwas schief geht, ist das ärgerlich, weil man so viel Zeit dafür braucht. Bei einer Kurzgeschichte ist das Drama nicht ganz so groß, weil es ja nur um ein paar Seiten geht. Ich liebe Kurzgeschichten aber sehr. Trotzdem ist der Roman schon etwas ganz Besonderes. Man lebt dann wirklich eine ganze Zeit lang, manchmal Monate, manchmal noch länger, in einer Welt, die man selbst erschafft.

Wo bekommst du deine Ideen her oder was inspiriert dich?

Eigentlich inspiriert mich alles, was ich erlebe. Bücher, Filme, Musik, Erinnerungen, die Geschichten von anderen. Alles kann zu Material werden.  

Was würdest du Kindern und Jugendlichen empfehlen, die auch Buchautorin oder Buchautor werden wollen?

Dass sie vor allem das tun, worauf sie Lust haben. Wer schreibt, sollte nie versuchen, anderen zu gefallen. Denn das funktioniert nie wirklich gut. Besser ist, sich zu überlegen, was einem selbst gefällt und was einen glücklich gemacht hat und dann diesen Spuren zu folgen. Mit viel Ausdauer kommt man so ans Ziel. Daran glaube ich ganz fest.

Danke für das Interview, Nils Mohl!

Foto: © a_mo

Was hat das jetzt mit dem LGG zu tun?

Es gibt in diesem Schuljahr eine Schreib-AG für die Klassen 5 und 6 unter der Leitung von Frau Martmann. Die Anmeldezeit in den Formularen ist zwar schon vorbei, aber ihr könnt am Donnerstag in der 7. Stunde in Raum 36 einfach mal vorbeischauen. Wir freuen uns noch über Zuwachs!

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