Die Fußball-WM in Katar      

Pascal

Normalerweise steht bei einer Fußball-WM zurecht das Sportliche im Vordergrund. Doch diesmal ist das anders; zu viel Wirbel herrscht um den Austragungsort der WM, Katar. So werden dem Land zum Beispiel Feindlichkeit gegenüber Frauen und Homosexuellen vorgeworfen oder aber, dass sehr schlechte Arbeitsbedingungen für die Arbeitenden beim Stadionbau herrschten. Zudem wird die Frage gestellt, ob Katar überhaupt rechtmäßiger Austragungsort der WM ist. Sollte die WM also wirklich in Katar stattfinden? Klar ist: Etwas mehr als einen Monat vor ihrem Beginn wird sie wohl kaum doch noch abgesagt werden.  Es geht also vielmehr um die Sinnhaftigkeit dieser WM und die Frage: Ist ein Boykott sinnvoll?

Oft wird Katar Feindlichkeit gegenüber Frauen und Homosexuellen vorgeworfen. Auch wenn es sich für uns Westliche natürlich komisch anhört, ist es aber leider in Katar ganz normal, dass Männer mehr zu sagen haben als Frauen und dass Homosexuelle nicht als normal angesehen werden. Daran würde sich daher ohne die Einflussnahme anderer Kulturen auch kaum bis gar nichts ändern. Wenn man aber nun für eine Fußball-WM nach Katar kommt, kann man positiv etwas im Land verändern, indem man die Menschen in Katar durch eine (hoffentlich) tolle WM für Fußball begeistert und dabei vor Ort versucht, auf gesellschaftlicher Ebene Positives zu bewirken.                                                                                                           

Außerdem wichtig zu bedenken, wenn man Boykotte fordert, ist, dass die Stadien zum Zeitpunkt des Turnierstartes alle logischerweise fertiggestellt sein werden und es auch jetzt schon sind. Mit einem Boykott hilft man keineswegs irgendwelchen Menschen, die durch den Stadionbau gelitten haben. Dafür ist es dann schon längst zu spät. Der einzige Grund, die WM aufgrund dessen zu boykottieren, wäre die Gewissensberuhigung von einem selbst, die Betroffenen aber nicht helfen wird.                                                                                                                                               

Zudem stellt sich die Frage, inwieweit man selbst schon anderweitig versucht, Gutes zu tun, dem Klima zu helfen und Ausbeutung zu vermeiden. In einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov sprachen sich 48 Prozent der Teilnehmenden für einen Boykott aus. Oftmals ist es jedoch sinnvoller, zuerst nationale Probleme zu lösen. In Deutschland beispielsweise wird weiterhin viel Fleisch aus der Massentierhaltung (laut dem deutschen Tierschutzbüro 97 Prozent) gekauft oder Kleidung aus Asien importiert (mehr als 75 Prozent Marktanteil). Mit der Veränderung dieser Prozentzahl in einen deutlich niedrigeren Bereich ließe sich mehr bewirken, als mit dem Boykott einer WM, die sowieso stattfinden wird und schon im Vorfeld riesige wirtschaftliche Gewinne für unter anderem die katarischen Scheichs abgeworfen hat.

Auf der anderen Seite steht zum Beispiel der kritische Zeitpunkt der WM. Dadurch, dass Katar am Persischen Golf liegt und die Temperatur im Sommer bis zu 50 Grad Celsius betragen kann, findet die WM im Winter statt, in dem es bisweilen aber trotzdem aus europäischer Sicht sehr warm sein kann. Das sorgt für sehr lange Unterbrechungen in den nationalen Ligen.  Auch wenn es kein moralischer Grund ist, der zum Boykott oder zu nur eingeschränktem Interesse führen kann, fällt es vielen Fans schwer, sich mit einer WM mitten im Winter, und damit auch mitten in der Weihnachtszeit, anzufreunden.                                                       Des Weiteren gibt es auch den Verdacht auf Korruption bzw. Manipulation hinsichtlich der Vergabe der WM nach Katar. Damit sie Katar als Standort wählten, sollen mehrere Wahlmänner Bestechungsgelder, die zumindest insgesamt im Millionenbereich gelegen haben sollen, erhalten haben. In einem Prozess 2015 wurden insgesamt 42 Personen angeklagt. Dies bezieht sich jedoch auch auf die Vergabe der vergangenen WM nach Russland, bei der es auch Korruption gegeben haben soll. Es scheint sich also nicht um einen traurigen Einzelfall zu handeln, sondern eher um einen bösen Trend. Nichtsdestotrotz ist auch dies ein fader Beigeschmack hinsichtlich der WM, der als Boykottgrund möglich ist.                                                                        

Schließlich gibt es natürlich noch den größten Boykottgrund: die Menschenrechtslage in Katar und die Ausbeutung der Gastarbeiter, die die Stadien bauen mussten. Die Arbeitsbedingungen und die Hitze waren so schlimm, dass laut Statistiken mehr als 6500 Gastarbeiter aus Indien, Nepal, Sri Lanka, Bangladesch und Pakistan starben.  Die meisten Arbeiter starben an einem Herzinfarkt. Doch die Todesfälle wurden kaum aufgearbeitet, die Sicherheitsvorkehrungen auch im Laufe der Jahre kaum angepasst bzw. verbessert. Aufklärungsversuche von europäischen Sendern wie der BBC wurden verhindert, was auch den Anschein erweckt, dass die Machthaber in Katar die wahre Lage nicht zeigen wollen.

Auch wenn ich hier natürlich versucht habe, die Argumente ausgeglichen zu halten, finde ich, dass die Argumente für einen Boykott die Stärkeren sind. Funktionäre und Fußballer suchen die Gründe, warum die WM nicht boykottiert werden sollte. Es wird wohl keinen Fußballer geben, der die WM boykottiert. Das könnten sie sich wohl auch kaum erlauben, da es für sie letztendlich in erster Linie zurecht um das Sportliche geht. Dies wiederum können Fans durchaus und sollten es meiner Meinung nach auch tun, um ein positives Zeichen zu setzen, was Fans können, wie zum Beispiel das erstmalige Verhindern der Super League gezeigt hat. Es geht letztendlich um Menschenrechte, die von allen Ländern über wirtschaftliche Profite und die Interessen von macht- und geldgierigen Herrschern gestellt werden sollten!                 

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